Mikaîl Aslan    

Mikaîl Aslan

    Mikaîl Aslan Ensemble

Ensemble


 
 
Zazakisch-Kurdische Weltmusik
 
aus dem Osten Anatoliens


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Pressestimmen


25.03.2010 – Gießener Allgemeine Zeitung
Benefizkonzert des »Mikaîl Aslan Ensemble« im Stadttheater


Es herrscht eine wunderbare, harmonische Atmosphäre im Stadttheater beim Benefizkonzert des »Mikaîl Aslan Ensemble«.


Herrliche, orientalisch anmutende Töne schallen durchs Große Haus. Von der ersten Minute an erobern sie die Herzen des Auditoriums im Sturm. Es herrscht eine wunderbare, harmonische Atmosphäre, und wer sich an diesem Mittwochabend davon überzeugen will, dass das »Mikaîl Aslan Ensemble« seine etwa 200 Gäste beim Benefizkonzert »Klänge vom Euphrat« im Großen Haus des Stadttheaters im wahrsten Sinne des Wortes mitreißt, der braucht sich bloß umzuschauen.
Wie gebannt lauscht das Publikum den in der kurdischen, armenischen, persischen und türkischen Musikkultur verwurzelten Klängen und entscheidet sich spontan immer wieder dazu, mitzuklatschen oder auch - und das ist ein wirklicher Qualitätsindikator für Konzerte - mitzusingen. Die temperamentvollen Rhythmen des Ensembles, das sich im Februar 2000 gegründet hat, gehen ins Blut, und der Abend wird ein voller Erfolg. Minutenlang applaudieren die Zuhörer, die sich am Ende noch eine Zugabe erklatschen.
Ein rundum gelungenes, anspruchsvolles Musikerlebnis, das über den ästhetischen Genuss hinaus vor allem eines bewiesen hat: Kunst hat wichtige integrative gesellschaftliche Funktionen. Und gerade die Musik kann zu einem echten »Brückenbauer« werden. Das betonte auch Hüseyin Ayvaz, Vorsitzender des in Frankfurt beheimateten Deutsch-Türkischen Jugendwerks, das das Konzert veranstaltete, in seiner Eröffnungsrede. Mit vielfältigen Bildungs- und Begegnungsangeboten leiste seine Einrichtung einen wichtigen Beitrag zum harmonischen Zusammenleben in der Gesellschaft, und insbesondere die Begegnung sei ein optimales Mittel, unter anderem interkulturelle Ängste abzubauen. Darüber hinaus wirke gerade auch die Musik verbindend, sagte Ayvaz, der das multikulturelle Aslan-Ensemble als Gewinn aus dem Migrationsbewältigungsprozess bezeichnete. Und dieser Gewinn ist beträchtlich, denn gemeinsam haben Aslan und Cemil Koçgiri, beide Sänger und unter anderem an der Langhalslaute, E-Bassist Dieter Schmalzried, Günter Bozem an den Percussions und Flötenspieler Zafer Küçük das Potenzial zu verzaubern. Nicht nur mit seinem erstklassigen, technisch hochwertigen, geradezu brillant vielseitigen Instrumentalspiel hält das Ensemble direkten Einzug in die Herzen seiner Zuhörer, sondern auch der Gesang überwindet mühelos Sprachbarrieren.
Denn selbst wer die von Aslan und Koçgiri mit großem Einfühlungsvermögen gesungenen Texte zu Themen wie Liebe oder Heimweh nicht unmittelbar verstehen kann, der spürt dennoch die große Emotionalität der Worte. Gerade sie ist es doch, die nicht nur die Gäste des Konzerts, sondern alle Menschen, ganz gleich woher, miteinander verbindet.
 


26.03.2010 – GIESSENER ANZEIGER
Feier für Frühling und Freiheit


Reise in faszinierende Musiklandschaften mit dem Mikaîl Aslan Ensemble - "Klänge vom Euphrat"


(tjl). Eine Feier für Frühling, Demokratie und Freiheit, für multikulturelle Begegnung und Verständigung war das Konzert "Klänge vom Euphrat" vom Mikaîl Aslan Ensemble im Stadttheater. Klänge aus Aslans Heimat, Dersim (Ostanatolien), verschmolzen mit westlich-europäischen Elementen zu einer großartigen Weltmusik. Das Ensemble gastierte bereits weltweit und zeigte auch in Gießen hohes Niveau. Überdies schwappte die Freude am Musikmachen der fünfköpfigen Formation auf die Zuhörer über. Das Publikum feierte die Mitwirkenden mit stehenden Ovationen. Veranstalter war das Deutsch-Türkische Jugendwerk in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater.
Mikaîl Aslan (Gesang, Tembur), Cemil Koçgiri (Tembur, Erbane, Gesang), Zafer Küçük (Duduk, Zirne), Dieter Schmalzried (Fretless E-Bass) und Günter Bozem (Schlagzeug) führten mit einem ruhigen Stück in ihre charakteristische Musikwelt ein. Neben Balladen, die Liebesgeschichten - mal romantisch, mal spöttisch - beschrieben, stand auch Spirituelles auf dem Programm. Schmalzried moderierte alle Stücke an. Ein vitales, rituelles Tanzstück, das zum alevitischen Gottesdienst gehört, schrieb Cemil Koçgiri. Wehmütig wurde auch das Heimweh besungen, und alte Volksliedweisen rundeten die Vorträge ab.
Aslan singt meist in seiner Heimatsprache Zazaki. Seine warme Stimme ist angenehm zu hören, der Gesang hatte meist erzählende Elemente. Qoçgiri singt oft die zweite Stimme, dies ergab eine faszinierende Farbigkeit. Beide spielten auch auf der traditionellen Langhalslaute Tembur. Weiteres Kolorit stammte von den Blasinstrumenten Duduk, einer traditionellen Oboenart, und der alles übertönenden Schalmei Zirne. Rhythmisch mischte sich die Erbane mit westlichem Schlagzeug, die Rhythmen reichten von traditionell kurdischen, armenischen, persischen, türkischen bis hin zum Reggae. Es war eine Reise in faszinierende Musiklandschaften.
 


12.07.2010 – Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ostanatolische Mythen


Das Mikaîl Aslan Ensemble im Frankfurter „Bett“


Es ist keine neue Erkenntnis, daß Musik die Kraft hat, Grenzen zu überwinden und Kulturen zu verbinden. Im Grunde braucht es dazu nur Musiker, die über ihren angestammten Horizont hinaussehen und den Mut haben, ungewohnte Verbindungen zu entwickeln. Mikaîl Aslans Passion, in seinen Kompositionen verschiedene Stile Ost-Anatoliens und einige westliche Ideen zu verarbeiten, erinnert an seine persönliche Geschichte. Der 1972 in der alevitisch geprägten Region Dersim geborene und in der Kultur und Sprache der Zaza verwurzelte Aslan vereint in seinen Liedern bis heute charakteristische Zazaki- und kurdische Traditionen. In der Türkei wurden diese lange unterdrückt, ihre Sprachen waren verboten. So sah sich auch der politisch engagierte Troubadour Aslan Mitte der neunziger Jahre gezwungen, ins deutsche Exil zu gehen.
An den Anfang ihrer Konzerte setzen Aslan und sein Ensemble eine Melodie in Dur, um europäische Hörgewohnheiten nicht sofort mit orientalischen Vierteltönen zu irritieren. Die folgende poetische Ballade, in tiefen Lagen gesungen, suggeriert im Frankfurter Club „Das Bett“ unwillkürlich einsame, rauhe Berglandschaften; ihre meditative Stimmung wird durch die nadelfeine Begleitung der Instrumente verdichtet. Unvermittelt wechselt die Atmosphäre: Aslans sonore Stimme springt eine Oktave höher und entwickelt insistierende Dringlichkeit, die Band wird präsenter, Laute oder E-Bass antworten den Gesangslinien wie Echos. Nahtlos geht das Quintett über in das nächste Stück mit einer etwas geradlinigeren und griffigeren Melodie. Der wiederkehrenden, refrainartigen Vokal-Zeile folgen ausgefeilte Phrasen der Lauten, dazwischen verstärkt die Wiederholung des Leitmotivs den zirkulierenden Charakter des Liedes.
Mit lauernden Beats und repetitiven Themen entfachen manche Stücke die soghafte Energie eines Mantras, ohne dabei statisch zu wirken. Das Erreichen eines Trance-Zustands durch Musik gehört zur Mystik vieler Kulturen, so auch der Zazaki. Mikaîl Aslan sagt über sein Repertoire, dass es zu etwa sechzig Prozent auf spirituellen Liedern basiere, was die hypnotische Magie vieler Stücke erklärt. Tatsächlich gelten die Lauten Tembur und Cura, die Aslan und Cemil Qoçgiri spielen, als ursprünglich heilige Instrumente. Auch Zafer Küçük setzt neben der wunderbar weich tönenden, armenischen Duduk und der quäkenden Schalmei Zurna bisweilen die Flöte Kaval ein, die im Sufismus eine wichtige Rolle spielt. Ihr warm-flirrender Klang prägt eine besonders atmosphärische Komposition des Quintetts, in der Qoçgiri von der kleinen Laute Cura zur großen Rahmentrommel wechselt und Aslan auf der Tembur fließende Muster aus komplexen Pickings und Tappings webt.
Wie entschieden die im Rhein-Main-Gebiet ansässigen Musiker auch in der westlichen Moderne zu Hause sind, zeigt sich vor allem nach der Pause. Schnellere Stücke verlocken mit zwar ungeraden, trotzdem aber auch für westliche Ohren nicht komplett verwirrenden Rhythmen unwillkürlich zum Mitwippen, die ohnehin schon große Dynamik überrascht mit noch jäheren Wechseln von Tempo oder Lautstärke. Schlagzeuger Günter Bozem und Dieter Schmalzried am bundlosen E-Bass untermauern dezent, aber effektiv den infizierenden Groove. Mitunter scheint der erdige Talking-Blues amerikanischer Prägung nicht mehr fern. Offensiv-treibende Songs verlängern die imaginäre musikalische Achse vom Wüstenrock afrikanischer Tuareg über die Rituale der Gnawa-Bruderschaften und Led Zeppelins Maghreb-Exkursionen in das rauhe Kurdistan. Filigran-kristalline Lauten klirren plötzlich metallisch-hart, können zuweilen sogar in typische Stakkato-Akkorde des Reggae verfallen.
Aslans Gesang und die mythengetränkte Musik des Quintetts vermitteln Leidenschaft und Hingabe auch ohne Verständnis der Texte. Auf technische Spektakel kann die Band ebenso verzichten wie auf archaischen Purismus. Stattdessen vereint sie vielfältiges persönliches Wissen aus diversen Album- und Bühnen-Produktionen, ergänzt durch Aslans Erfahrung als Komponist von Filmmusik. Wer zwischen den Welten lebt, kann auch künstlerische Grenzen souverän hinter sich lassen; das Mikaîl Aslan Ensemble ist dafür ein hörenswertes Beispiel.
Autor: NORBERT KRAMPF